Intuitiv Essen

Intuitiv Essen

Seitdem ich auf Instagram unterwegs bin, stoße ich immer wieder auf Menschen, die ihren veganen, rohköstlichen oder eiweißlastigen Ernährungsstil bewerben. Dabei passiert es auch ab und zu, dass jemand zugibt, dass es ihm damit gar nicht (mehr) so gut geht.

Wie sieht es bei dir aus? Ernährst du dich nach einem Trend oder nach deinen Bedürfnissen?

Ich selbst habe es auch mal vegan und rohköstlich probiert. Ersteres habe ich ganze drei Monate „geschafft“ und Rohkost habe ich nach sechs Wochen aufgegeben. Mir war einfach nur noch kalt und ich hatte richtig schlechte Laune.

Bitte beachte, dass jeder Körper anders ist und eine rein vegane oder rohköstliche Ernährung für dich ganz wunderbar funktionieren kann.

Ernährung ist meiner Meinung nach eine ganz individuelle Sache. Im Laufe der letzten Jahre habe ich erkannt, dass es nicht Regeln und Verzicht, sondern Gefühl und Achtsamkeit sind, die mich gesund und glücklich machen. Ganz besonders warme Speisen spielen da bei mir eine ganz wichtige Rolle.

Ich ernähre mich hauptsächlich vegan, wenn mir aber die Lust auf Milchprodukte, Eier oder auch mal auf Fleisch kommt, höre ich auf mein Bauchgefühl. Das hat sich für mich als äußerst zufriedenstellend herausgestellt.

Intuitiv und gesund?

In meiner Arbeit als Gesundheitsberaterin werde ich häufig gefragt, welche Form der Ernährung die Beste sei und ob ich mehr zum Thema intuitives Essen sagen kann.

In der Regel gibt es einige Dinge, die jeder Mensch beachten kann, um gesünder zu leben. Dazu zählen frisches Wasser und natürliche Lebensmittel, die wenig verarbeitet sind. In meinem Artikel zum Thema „Gesunder Bauch“ findest du noch weitere nützliche Tipps zum Thema gesunde Ernährung.

Jeder Mensch hat seine ganz individuelle Konstitution, deshalb kann die Frage nach der besten Ernährung nicht ganz zufriedenstellend beantwortet werden. Oft entscheiden diese „Grundeinstellungen“ der Körperbeschaffenheit darüber, was besser oder schlechter vertragen wird. Auch Gewohnheiten beeinflussen, was lieber oder weniger gerne gegessen wird.

Buntes Gemüse

Was bedeutet intuitiv?

Für das Wort „Intuition“ findet sich im Duden folgende Definition: „[..] das unmittelbare, […] nicht auf Reflexion beruhende Erkennen […]“. Als Synonyme werden „Empfinden“, „Gefühl“ oder „Impuls“ aufgeführt und lassen erahnen, dass intuitives Essen theoretisch nichts mit dem Verstand zu tun hat.

Gleichzeitig bedeutet intuitives Essen nicht automatisch, dass alles einfach ohne Sinn und Verstand in sich hineingeschaufelt werden soll. Wer aus diversen Gründen Schwierigkeiten hat, sein eigenes Bauchgefühl zu spüren, kann sich zum Beispiel mit einer Saftkur auf einen neuen Abschnitt der eigenen Ernährung einstimmen.

Raffinierter Zucker, Zigaretten, Alkohol, Fleisch, Kaffee, Weißmehl-Produkte und industriell stark verarbeitete Produkte können für ein paar Tage/ Wochen reduziert oder weggelassen werden. So hat der Körper die Möglichkeit, sich ganz natürlich zu reinigen und sich neu einzustimmen auf innere und äußere Reize. Bei diesem Prozess ist es wichtig, geduldig und verständnisvoll mit sich zu sein.

Oft benötigt der Körper etwas Zeit, um sich umzugewöhnen. Gib deinem Körper Raum und Aufmerksamkeit dafür. Und ganz wichtig: Es kommt nicht darauf an, es perfekt zu machen oder sich für vermeintliche Fehler schlecht zu machen. Intuitives Essen ist nicht richtig oder falsch, es passt einfach.

Gleichzeitig kann ich empfehlen, dass auf Vielfalt, Frische und Natürlichkeit gesetzt wird. So stellst du sicher, dass du alle wichtigen Makro- und Mikronährstoffe zu dir nimmst.

Blatt Gesundheit mit Annabell

Gefühl und Planung

Das Gegenteil von Intuition und Gefühl sind Planung und Regeln. Doch manchmal können auch Planung und gewisse Regeln von Vorteil sein. Wenn du dich zum Beispiel gesund ernähren möchtest und dir dafür dein Essen für ein paar Tage im Voraus vorbereitest, weil du sonst keine Zeit dafür haben wirst. Oder wenn du eine Allergie hast, wirst du dich sicherlich besser fühlen, wenn du die besagten Lebensmittel weglässt und sie nicht aus Lust darauf isst.

Intuitive Ernährung ist für mich eine Mischung aus Bauchgefühl und Verständnis über die Menchanismen meines Körpers. Wenn ich zum Beispiel Lust auf etwas Süßes habe, schaue ich, dass ich eine vollwertige Kohlenhydratquelle finde, die mich glücklich macht. Manchmal darf es dann aber auch guten Gewissens der ganz normale Schoko-Riegel sein.

Grundsätzlich integriere ich regelmäßig vollwertige Lebensmittel, wie Nüsse und Vollkornprodukte, und esse viel buntes Gemüse und Obst. Dann ist die Wahrscheinlichkeit gering, dass ich Heißhungerattacken habe oder mich kein Lebensmittel wirklich glücklich und satt macht. Jeder Mensch kann sich an gesunde Lebensmittel gewöhnen und sie dann auch intuitiv begehren.

Intuitives Essen ist keine Trend-Diät

Ich bin kein Fan von Trend-Diäten, da sie oft nur kurzfristig einen gewissen Erfolg erzielen. Langfristig gesunde und individuell bekömmliche Ernährungsweisen machen für mich weitaus mehr Sinn. Die Erfolge durch meine Arbeit mit KlientInnen sind für mich ein guter Beweis dafür, dass es funktioniert. Auch mein eigenes Wohlbefinden zeigt mir, dass intuitives Essen für mich von großem Vorteil ist.

Da sich Lebensumstände und Körperbeschaffenheit im Leben von Zeit zu Zeit ändern, lohnt es sich seine individuellen Bedürfnisse darauf anzupassen und sich nicht rigide in ein einziges Muster zu pressen, das vielleicht mal gepasst hat.

Gleichzeitig finde ich, dass ein paar Regeln in Ordnung sind, solange es keinen Stress bereitet, sie auch mal nicht einzuhalten. Aus zu vielen strikten Regeln und Verboten kann sich nämlich leider eine Essstörung entwickeln, die dramatische Folgen haben kann. Mein Appell ist daher: Liebe dich und dein Essen. Wenn du nicht so recht weißt, wie du anfangen sollst, helfe ich dir sehr gerne dabei.

Inspiriert zu diesem Artikel hat mich der Podcast The Food Medic Podcast von Dr. Hazel Wallace, die mit der britischen Ernährungsberaterin Laura Thomas über intuitives Essen und ihr interessantes Buch Just Eat It spricht. Sehr empfehlenswert!