Gesundes Essverhalten

Was ist gesundes Essverhalten? In diesem Artikel erörtere ich diese Frage. Außerdem gebe ich dir Tipps, wie man sein Essverhalten gesund gestalten kann.

Überall im Internet erhält man Informationen darüber, wie gesundes Essen aussehen kann. Doch kaum wird darüber geschrieben, wie gesundes Essverhalten aussieht. In meiner Arbeit als Gesundheitsberaterin begegnet mir diese Frage häufig. Leider lässt sie sich nicht so einfach beantworten und ist in der Regel sehr individuell zu betrachten. Trotzdem möchte ich dir hier Impulse dafür geben, welche Fragen du dir selbst stellen kannst.

Dieser Artikel ersetzt keinen ärztlichen oder psychologischen Rat! Wenn du das Gefühl hast, dass dich das Thema Essen seelisch belastet, empfehle ich dir professionelle Unterstützung.

Inhaltsübersicht

  1. Darf sich Essen leicht und intuitiv anfühlen?
  2. Passt Genuss und gesundes Essverhalten zusammen?
  3. Sollte ich mich mit anderen Menschen vergleichen?
  4. Welche Rolle spielen Ernährungs-Trends & Heillehren?
  5. Was hilft ein gesundes Essverhalten zu entwickeln?

1. Darf sich Essen leicht & intuitiv anfühlen?

Diese Frage kann ich ganz klar mit „Ja!“ beantworten. Dennoch ist es in der Realität nicht immer so, dass sich Essen leicht und intuitiv anfühlt. Es gibt viele Störfaktoren, die das eigene Bauchgefühl überlagern können. Werbung, soziale Medien, das eigene soziale Umfeld sowie Informationen aus Büchern oder dem Internet können irritieren.

Die Leichtigkeit mit dem Umgang von Essen kann auch durch eine zu intensive Auseinandersetzung damit verloren gehen. Es kann immer Situationen im Leben geben, die nach Veränderung rufen. Als ich 2015 erkannte, dass ich meine Ernährung und mein Leben verändern muss, um wieder gesund und glücklich sein zu können, habe ich viele Hebel in Bewegung gesetzt. Dabei habe ich so viel auf einmal verändert, dass sich mein Verhältnis zum Essen sehr angespannt hat.

Es lohnt sich schrittweise an Veränderungen in der Ernährung heranzugehen und immer wieder in sich hinein zu spüren. Wie fühlt sich meine Art zu Essen gerade an? Stresst sie mich oder fühle ich mich vital und inspiriert?

2. Passt Genuss und gesundes Essverhalten zusammen?

Begriffe wie „cheat day“ oder „sündigen“ finde ich in Bezug auf ein gesundes Verhältnis zu Essen schwierig. Denn sie suggerieren, dass mein Verhalten falsch ist, wenn ich bestimmte Nahrungsmittel zu mir nehme. Das macht mir persönlich keinen Spaß und lenkt die Aufmerksamkeit auf unangenehme Gefühle.

Essen darf und sollte Spaß machen! Wir wissen alle, dass zu viel Zucker, Fast Food, Fleisch und Co. langfristig nicht gesund sind. Es geht aber immer um die Menge. Wir leben in einem Zeitalter, das übersättigt am Angebot von Industrieprodukten ist und besinnen uns immer mehr auf den Ursprung. Dennoch müssen meiner Meinung nach Eiscreme, Chips und Süßigkeiten nicht verteufelt werden.

Eine wichtige Frage ist immer auch: Wo stehe ich in Bezug auf Lebensmittel, die vielleicht keinen wirklichen Nährwert für meinen Körper haben? Liegt der Mehrwert hier in meinem freudigen Genuss? Ermöglicht mir der Konsum von Wein, Pizza und Schokoladen-Fondue vielleicht einen lustigen Abend mit meinen Freunden?

3. Sollte ich mich mit anderen Menschen vergleichen?

Der Ansatz meiner Gesundheitsberatung ist „Individuell. Flexibel. Köstlich“. Das bedeutet, dass jeder Mensch individuell betrachtet werden darf. Denn wir sind alle, jeder für sich selbst, einzigartig und das auch in unseren Ernährungs-Bedürfnissen. Unser Essverhalten ist geprägt durch unsere individuelle Geschichte und Lebenssituation.

Auch angeborene oder erworbene Krankheiten, Allergien und Unverträglichkeiten können ausschlaggebend für das eigene Essverhalten sein. Manchmal muss man dann auch Dinge verändern und sich neu aufstellen. In Zeiten der sozialen Medien kann man vielen Menschen in den Ernährungs-Alltag blicken. Das ist für die einen Menschen inspirierend, andere Menschen fühlen sich davon gestresst und unter Druck gesetzt. Muss ich mich jetzt auch so ernähren, um so auszusehen oder um so gesund zu sein?

Ich persönlich finde z.B. den Trend „What I eat in a day“ problematisch, weil er suggeriert, dass so das perfekte Essverhalten aussieht. Und oftmals werden in diesem Rahmen auch noch bestimmte Lebensmittelgruppen in ein schlechteres Licht gerückt. Die einen Menschen brauchen 3-5 kleinere Mahlzeiten am Tag, andere Menschen kommen auch mit 2 größeren Mahlzeiten zurecht. Die einen essen aus Überzeugung keinen Kuchen, die anderen lieben ihn fast täglich.

4. Welche Rolle spielen Ernährungs-Trends & Heillehren?

Ob Paleo-Diät, basisches Fasten, Ayurveda oder TCM. Ernährungs-Trends und Heillehren haben in der Regel eine Berechtigung für ein spezifisches Publikum. Das bedeutet, dass es Menschen gibt, die zu einem Zeitpunkt in ihrem Leben oder langfristig von solchen Ernährungsstrukturen profitieren. Gleichzeitig gilt das natürlich nicht für jeden Menschen.

Es gibt Menschen, die z.B. besser mit einer rein pflanzlichen Ernährung zurecht kommen. Und je nach Konstitution und Lebenssituation vertragen es andere Menschen nicht ganz so gut. Und das ist in Ordnung. Auch in der ayurvedischen Heillehre, die grundsätzlich vegetarisch ausgerichtet ist, gibt es Ausnahmen. Einer Frau, die gerade ihr Kind entbunden hat und im Wochenbett unter zu viel Vata leidet, wird z.B. auch eine Hühnerknochenbrühe empfohlen.

Ich persönlich bin der Meinung, dass es nicht immer notwendig ist, alle Empfehlungen einer Diät oder Heillehre zu befolgen. Das eigene Empfinden spielt auch eine wichtige Rolle und darf im Zweifelsfall einbezogen werden. Wenn allerdings eine Allergie gegen ein bestimmtes Nahrungsmittel besteht, sollte es aber bitte nicht ausnahmsweise doch mal gegessen werden!

5. Was hilft ein gesundes Essverhalten zu entwickeln?

Regelmäßige Mahlzeiten und eine grobe Mahlzeitstruktur machen die tägliche Ernährung in der Regel leichter. Dadurch kann der Blutzuckerspiegel konstant gehalten und z.B. Heißhunger-Attacken und Stimmungsschwankungen vorgebeugt werden. Wenn eine Mahlzeit-Struktur ständig Stress auslöst oder sich zu rigide anfühlt, kann über eine Veränderung nachgedacht werden.

Eine meiner wichtigsten Empfehlungen ist es, sich nicht mit anderen zu vergleichen. Gleichzeitig kann es helfen, das eigene Essverhalten bewusster und gesünder zu gestalten, wenn man Gleichgesinnte mit ins Boot holt. Das macht es einfacher, sich über Erfahrungen auszutauschen und eventuell kleinere Problemstellen aufzudecken.

Vielleicht dreht sich alles nur noch um die eigene Ernährung und alltägliche Dinge, wie ein Essen mit Freunden, sind nicht mehr möglich. In solchen Fällen macht es Sinn, sich professionelle Unterstützung zu suchen, wenn der Wunsch nach Veränderung besteht. Eine gesunde Ernährung kann die Basis eines gesunden Lebens sein. Für jeden sieht gesunde Ernährung jedoch ganz individuell aus und das finde ich so spannend!

Wenn du eine neue Mahlzeitstruktur suchst oder mehr zur typgerechten Ernährung lernen möchtest, stehe ich dir gerne beratend zur Seite. Melde dich bei Fragen, ich freue mich auf dich! Annabell

Fotos: Katrin Mauch